Was können Matcha-Tee, Chia-Samen und Arioniabeeren

Wie super ist Superfood wirklich?

Hanfsamen zum Frühstück, Algen zum Fünf-Uhr-Grüntee: Die exotische Trendkost soll Krankheiten vertreiben. Was ist drin, was ist dran? Ein Fakten-Check

Sie sollen Falten glätten, Diabetes bekämpfen, vor Alzheimer oder Krebs schützen, das Immunsystem auf- und Fettpolster abbauen. Das zumindest behaupten Mediziner, Buchautoren, Naturheiler und führende Veganer. Gemeint sind bestimmte Früchte, Samen, Gräser oder Algen, die neuerdings unter dem Namen »Superfood« (englisch = supertolle Nahrungsmittel) Einzug in Bio-Läden, Reformhäuser und Supermärkte halten. Gemeinsam haben diese oft unbekannten Lebensmittel, dass sie meist aus fernen Ländern wie China, Tibet, Peru oder Brasilien stammen, sowie die Legende, dass sie in Urzeiten bei den Mayas/Inkas/Ur-Ägyptern oder Altchinesen zur Heilung diverser Krankheiten verwendet wurden. 

MEGA-HYPE Wer genau als Erster festlegte, welche exotischen Lebensmittel besonders super für den zivilisations-geschädigten Menschen sein sollten, ist unklar. Als einer der Ur-Väter und erster Ersteller einer »Superfood-Hitliste« gilt der amerikanische Politik- und Umweltwissenschaftler David »Avocado« Wolfe, ein überzeugter Rohkost-Anhänger.

STARTHILFE Der Mann, der sich selbst auf seiner Website als »Indiana Jones des Superfoods« bezeichnet, sagt: »Superfood ist der Kickstart für die vollkommene Gesundheit und die Medizin der Zukunft.« Zum Superstar mutiert nämlich eine Frucht, ein Gras, ein Gemüse oder eine Alge, wenn das Lebensmittel einen besonders hohen Anteil an sogenannten Antioxidantien – zellschützenden Vitaminen, Mineralstoffen und Flavonoiden – enthält, denen eine krankheitsvorbeugende Wirkung zugeschrieben wird. 

Wissenschaft? Nebensache

Welche Lebensmittel zur heiligen Hitliste der Super-Nahrungsmittel zählen, ist je nach Autor und Philosophie unterschiedlich – mal zählen Grünkohl (in den USA »Kale«) und Brennesseln dazu, mal sind es Ingwer und heiliges Basilikum (Tulsi). Tierische Lebensmittel wie Hühnereier oder Steaks müssen draußen bleiben – sie gelten als Krankmacher. 

 »Dabei ist völlig unklar, ob und wie viele Antioxidantien ein Mensch beim Verzehr aufnimmt und inwiefern er gesundheitlich profitiert«, gibt Angela Clausen von der Verbraucherzentrale NRW zu bedenken. Die Verbraucherschützer haben mittlerweile Daten zu Superfoods veröffentlicht (www.vz-nrw.de/acai). 

MOGELPACKUNG Aufklärung über die hippe Kost tut not. So wissen nur wenige, dass die Messungen von rekordhohen Vitamin-B12-Werten in Chlorella-Algen offenbar ein Irrtum sind: Gemessen wurden sogenannte B12-Analoga (= ähnliche Moleküle), die wohl nicht zur Behebung eines B12-Mangels beitragen können. Ebenso wenig ist bekannt, dass die populären Goji-Beeren den Abbau von blutverdünnenden Mitteln im Körper hemmen, was das Risiko für Blutungen erhöht. 

SUPERFASTFOOD Doch trotz aller Bedenken: »Sofern das sogenannte Superfood nicht in Kapselform verzehrt wird, kann es eine Bereicherung des Speiseplans sein«, sagt Expertin Clausen. »Zumindest dann,  wenn es Fastfood-Anhänger zu Obst und Gemüse bringt.«    

marion.meiners@guter-rat.de

Klicken Sie sich oben durch unsere Bildergalerie. Guter Rat ist auch auf Facebook aktiv. 

 
Artikel von Marion.Meiners verfasst
Druckversion

Weitere Artikel in dieser Kategorie

Für Haut und Haare: Nahrungsergänzung mit Biotin

Biotin steckt in vielen Lebensmitteln und gilt als wichtiger Nährstoff für gesunde Haare, Haut und Nägel. Bei einem Mangel oder zur Erhaltung der normalen Körperfunktion können zahlreiche Nahrungsergänzungsmittel mit Biotin nützlich sein. weiterlesen

Besser getrocknete: Kichererbsen für Falafel

Sie kommen aus dem Libanon, aus Israel oder der Türkei und sind längst auch in unserer Küche beliebt: Falafel Bällchen. Sie werden aus Kichererbsen gemacht. Welche Vorbereitungen dazu nötig sind: weiterlesen

Gehaltvoll und cremig: Im weißen Smoothie ist Fett erlaubt

Sie schmecken, machen satt, sollen dem Körper beim Entgiften helfen und die Lust auf Ungesundes vertreiben. Weiße Smoothies sind eine Erweiterung der Smoothie-Welt. Sie punkten mit ihrer cremigen Konsistenz und können auch als Dessert oder Salatdressing gefallen. weiterlesen