Datenschutz

Was DIE über mich wissen

Die einen wollen nur »ein wenig« über uns erfahren, die anderen gleich den ganzen PC kapern! Wo die Gefahren lauern und wie Sie sich schützen

Spätestens 2016 ist klar geworden, wie sinnlos es wäre, sich gegen das Datensammeln großer Firmen zu sträuben. Wir wissen jetzt, dass bei der Präsidentenwahl in den USA ein großer Teil der Internet-Bevölkerung ganz gezielt auf persönliche Einstellungen und Bedürfnisse angesprochen werden konnte. Und das hat gewirkt.

Selbst über den, der sich mit Vorsicht im Netz bewegt, werden verblüffend viele Daten zusammengetragen. Aus dem bloßen Klickverhalten können Anbieter wie Facebook auf manchen geheimen Wunsch schließen, den wir sogar vor den engsten Freunden verbergen.

Spätestens hier sollte Datenschutz auch den interessieren, der bisher sorglos war, weil er ja »nichts zu verbergen« hat.

Bei den unzähligen Nachrichten, die uns in diesem Metier dauernd um die Ohren gehauen werden, weiß allerdings kaum noch einer, wo er mit Datenschutz anfangen soll. Ehe wir Ihnen praktische Empfehlungen geben, erinnern wir deshalb, woher die Gefahr drohen kann.

Nicht nur Kriminelle

Zunächst sind da, wie schon erwähnt, die großen Internet-Unternehmen. Sie wollen uns entweder selbst etwas verkaufen, wollen, dass wir Werbung auf ihren Seiten anklicken, oder verkaufen sogar die gesammelten Angaben über uns weiter. Sie sind nicht unmittelbar gefährlich, machen uns aber angreifbar.

Die nächsten sind die echten Krimi­nellen. Sie wollen in erster Linie übers In­ternet in unseren PC eindringen. Manchmal verschicken sie von da Internet-Schädlinge an andere, manchmal haben sie es auch direkt auf unser Konto ­abgesehen.

Schließlich sind da noch die Geheimdienste. Obwohl es rechtlich umstritten oder unzulässig ist, durchforsten sie gern ohne ernst zu nehmenden Verdacht oder auch mal irrtümlich die Privatsphäre von Leuten.

Innerhalb dieser Ausgangslage gibt es nun eine gute Nachricht: Überwiegend sind Sie nicht als Einzelperson Ziel von Angriffen. Vielmehr wird erst mal ­einfach das Netz nach Schwachstellen ­ab­gegrast, um zu sehen, wer im Sieb ­hängen bleibt.

Hier setzen unsere Empfehlungen an: Bauen Sie Hürden auf, sodass Sie zu einer Minderheit gehören, die für Schnüffler und Kriminelle weniger interessant ist.

Drei Hauptgefahren

Wir haben die unzähligen Bedrohungen aus der digitalen Welt ein wenig nach Art und Häufigkeit der Vorfälle analysiert. Danach kann man drei Hauptgefahren erkennen. Wenn Sie dagegen vorbeugen – und das geht überwiegend mit einfachen Schritten –, vermeiden Sie bereits die überwiegende Masse möglicher Schäden.

1. E-Mail-Adresse

Immer wieder gibt es Berichte, dass einem großen Anbieter Millionen von E-Mail-Zugängen gestohlen wurden. In so einem Fall können Sie sich ruhig zurücklehnen, wenn Ihr E-Mail-Zugang ein Passwort hat, das Sie garantiert an keiner anderen Stelle verwenden. Klar kann in der Zwischenzeit schon jemand Unfug damit angestellt haben. Wenn Sie aber nach so einem Datenleck schnell das E-Mail-Passwort ändern, können Sie zur Tagesordnung übergehen. Schlecht wäre hingegen, wenn die Gauner irgendeinen Onlineshop geknackt haben und nun über diesen an Ihr E-Mail-Passwort rankommen.

2. Smartphone

Ein modernes Handy ist bekanntlich nur sinnvoll zu benutzen, wenn Sie in alle maßgeblichen Seiten und Apps immer eingeloggt sind. Deshalb kommt ein Dieb, der Ihr Gerät im laufenden Betrieb stiehlt, an eine Menge Daten leicht heran. Deshalb: Benutzen Sie das Smartphone nie ohne Sperre und stellen Sie eine kurze automatische Sperre ein.

Wie sinnvoll das ist, beweist übrigens ein Vorfall aus England: Beamte von Scotland Yard entrissen kürzlich einem Verdächtigen das Handy, während er telefonierte. Sie hatten ihn dazu lange beschattet, um genau den Moment abzupassen – denn bei gesperrtem Bildschirm wären sie nie an die Handydaten gekommen.

3. Router

Die letzte große Panne um die WLAN-Router hatten wir ja gerade vor Weihnachten, und die nächste wird garantiert nicht lange auf sich warten lassen. Haben Sie auch Bekannte, die immer bei solchen Nachrichten nur mit einem Lächeln der Überlegenheit reagieren? Das sind die, welche den Router bedienen können und mit der neuesten Hersteller-Software ausstattet haben.

Unser Rat lautet also: Halten Sie selbst den Router aktuell, anstatt ihn nur im Werkzustand zu nutzen! Beginnen Sie ­damit, das voreingestellte Standardpasswort des Herstellers zu ändern. Sehen Sie sich dann die vorhandene Software-­Version an. Benutzen Sie die Aktualisierungsfunktion, oder vergleichen Sie auf der Homepage des Herstellers, ob es eine neuere gibt. Wenn Sie noch mehr tun wollen, ändern Sie weitere Einstellungen, siehe unten unter »Zugang sichern«. So viel zur Optimierung der Technik.

Google, Facebook, Amazon

Sehr viel mühsamer ist es, sich unerkannt im Internet zu bewegen. Denn wer verzichtet schon freiwillig auf Google? Und Facebook erweist sich nun mal als unentbehrliches Werkzeug für Organisation und schnellen Meinungsaustausch.

Der Bildung eines immer schärferen Profils Ihrer Persönlichkeit können Sie sich allerdings nicht entziehen. Ex­per­ten haben zum Beispiel ermittelt, dass 68 Likes von Facebook-Seiten genügen, um Sie vollständig zu charakterisieren.

Wir empfehlen eine geteilte Strategie: Gehen Sie dann, wenn es nützlich ist, unter Ihrer Identität ins Netz. Aber tun Sie es anonym, wo es möglich ist. Wie geht das?

Neue Tabs anlegen. Gewöhnen Sie sich an, für jede neu zu besuchende Seite auch ein neues Fenster (Tab) zu öffnen. Denn andernfalls sieht der Betreiber dieser Seite immer, bei wem Sie davor waren.

Inkognito-Modus. Mit jedem Internet-Browser können Sie auch ein Fenster aufmachen (z. B. bei Firefox: privates Fenster), bei dem die besuchte Seite keine ­Protokolldaten auf Ihrem Computer hinterlassen und auch keine früheren ­ab­rufen kann (etwa Cookies).

Cliqz. Das ist ein Browser, der speziell auf die möglichst anonyme Suche getrimmt ist. Weitgehend dieselbe Anonymität gibt auch schon die Browser-Erweiterung von Cliqz für Chrome und Firefox.

Starthilfe. Wenn Sie den Datenschutz auf die Spitze treiben wollen, starten Sie den Computer nicht von der Festplatte, sondern von einer CD/DVD oder einem USB-Stick. So was gibt es als »Live-CD« des Linux-Betriebssystems Ubuntu.

Datenschutz für Profis

Fortgeschrittene können Tails ausprobieren. So heißt ein Linux-System, das für Menschenrechtsaktivisten in Unrechtsstaaten entwickelt wurde. Hier wird sogar beim Surfen die eigene IP-Adresse verschleiert. Sie können zwar alles Mögliche anpassen, aber nach einem Neustart des PC ist nichts davon übrig.

Keine Angst. Nach so viel Technik noch was gegen unnötige Datenpanik: ­Aktivieren Sie als Android-Nutzer die Google-Funktion »Smartphone suchen« (myaccount.google.com). Damit lassen Sie ein verschwundenes Handy übers ­Internet klingeln: Der Abend ist gerettet, wenn’s nur in der Couchritze steckt.

Computer und Handy sichern

PC-Schädlinge. Die eingebaute Windows-Funktion zum Schutz vor Viren und »Trojanischen Pferden« (kurz »Trojanern«) ist brauchbar. Allerdings findet bisher kein Virenprogramm 100 Prozent der Schädlinge. Gut ist immer, sich einen Notfall-USB-Stick oder eine Notfall-CD mit Virenprogramm anzulegen und von Zeit zu Zeit die ganze Festplatte abzusuchen. (Google-Suche: virenscanner iso).
 
Handy-Schädlinge. Die derzeitigen ­Android-Versionen sind einigermaßen sicher gegen Handy-Viren. Schädlinge auf iPhones sind bisher zum Glück noch nicht bekannt.

Smartphone. Für den Bildschirm sollte immer die Sperrfunktion aktiviert sein – per Passwort (am besten), PIN (gut) oder Wischmuster (Minimum).

Speicher verschlüsseln. Notebooks und auch Handys haben oft eine vor­bereitete Verschlüsselungsfunktion. Bei ausgeschaltetem Gerät ist es dann selbst Experten so gut wie unmöglich, an die gespeicherten Daten heranzukommen. Auf Android-Handys muss die Verschlüsselung in den Einstellungen meistens erst aktiviert werden, auf dem iPhone ist sie schon ab Werk ein­geschaltet.

Internet-Daten sichern

E-Mail. Das E-Mail-Passwort darf nur einmalig, also bei keinem anderen Online­zugang vorkommen. Und einmal geändert, dürfen Sie das alte später nicht von Neuem verwenden. Nur so hält sich der Schaden in Grenzen, wenn Fremde an Passwörter aus Datenpannen großer Anbieter gelangen.

Handy-Zugriff. Kommt ein Handy in fremden Besitz, gibt es auch Zugang zu abgelegten Daten im Internet, etwa einer Bildersammlung. Ein geschütztes Handy (siehe links!) schützt also auch die Cloud-­Daten.

Cloud-Daten. Die Fachleute sind sich ­einig, dass geheime Daten zum Speichern und Sichern überhaupt nicht im Internet landen sollten.

Verschlüsseln. Falls vertrauliche Daten doch auf einer Onlinefestplatte abgelegt werden müssen, sollten sie wenigstens verschlüsselt sein. Wer das tun will, kann sich mal die kostenlosen Programme ­Cryptomator, Boxcryptor oder Resilio Sync ­ansehen (jeweils für Windows und Mac OS).  
 
»Backdoor«. Kritiker vermuten, dass die Server großer Anbieter von Onlinespeichern verborgene Zugänge haben, die bei Bedarf den staatlichen Geheimdiensten zur Verfügung gestellt werden.

Zugang sichern

Router-Passwort. Ändern Sie gleich bei Inbetriebnahme das Passwort des Routers. Notieren Sie es nicht auf dem Router selbst.

Fernzugriff abstellen. Die berühmt-berüchtigten Datenpannen bei Internet-Routern sind meist auf nicht beabsichtigte Schlupflöcher von außen nach ­innen zurückzuführen. Wenn Sie keinen Zugriff von außen brauchen, stellen Sie den Fernwartungszugriff ganz ab.
 
Fernzugriff einstellen. Wenn Sie doch den Fernzugriff brauchen, weil Sie auf Ihre Datenfestplatte zu Hause gehen wollen, ändern Sie den sogenannten HTTPS-Port – von der Standard-Zahl 443 auf eine fünfstellige (unter 68 000).

Router-Adresse. Der Router selbst hat im inneren Netz (LAN, WLAN) meist eine Adresse der Art 192.168.0.1 oder ... 1.1. Ändern Sie die letzten beiden Zahlen auf zwei- oder dreistellige (maximal 253). Ein Eindringling könnte dann nur mit Probieren den ­Router attackieren.

WLAN. Ein gutes Passwort ist vor allem lang (bis 63 Zeichen)! Angreifern im eigenen Haus oder auf der Straße machen Sie damit das Leben sehr schwer.

 

Erstellt am 14.02.17

Artikel von Bernd.Adam verfasst
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