Hausputz

Füße hoch, der Saugroboter kommt

Intelligente Technik soll uns das Staubsaugen abnehmen. Doch taugen die Roboter wirklich für diese lästige Hausarbeit?

Mal abgesehen vom Kochen gibt es wohl kaum eine Hausarbeit, die wirklich Spaß macht. Da ist jede Hilfe willkommen, die uns Arbeit abnimmt und Zeit spart für die schöneren Dinge im Leben. Die Reinigung des Fußbodens sollen Saugroboter übernehmen. Die gibt es schon länger, doch neue Modelle gehen die Arbeit nun angeblich viel intelligenter an als bis­herige. Guter Rat wollte wissen, wie gut die Neuen wirklich sind und hat fünf Saugroboter zum großen Test-Putzen antreten lassen: den Dirt Devil
Spider 2.0, den Dyson 360 Eye, den iRobot Roomba 980, den Samsung VR7000 POWERbot und den Vorwerk Kobold VR 200. Ihre Anschaffung kostet zwischen 150 und knapp 1 000 Euro.

Testverlauf. Zunächst mussten die Kandidaten an ihrer Ladestation aufgetankt werden. Der Dyson war schon nach 165 Minuten einsatzbereit. Dirt Devil und Samsung brauchten ganze vier Stunden. Dafür sollten sie zwar etwas länger durchhalten, der Samsung machte sich aber schon kurz nach dem Dyson auf den Weg zurück zu seiner Ladestation.

 

Putzen mit Ladepause

Das haben wir nicht überbewertet, denn falls das Zimmer bis dahin noch nicht vollständig geputzt ist, setzen die Saugroboter ihre Arbeit nach der Ladepause von selbst dort fort, wo sie aufgehört haben. Allein der Dirt Devil kann das nicht. Er muss noch per Hand an die Steckdose angeschlossen und nach dem Ladevorgang neu gestartet werden.

Um das Reinigungser­gebnis zu ermitteln, haben wir die Geräte dann einzeln in einem jeweils mit 250 Gramm Schmutz präparierten etwa 25 Quadratmeter großen Raum mit Teppichboden ausgesetzt. In der erste Runde starteten alle Kandidaten per Knopfdruck, in der zweiten haben wir außer beim Dirt Devil eine Startzeit programmiert. Nach jeder Runde haben wir den aufgesaugten Schmutz gewogen und den Boden nach unbearbeiteten Stellen abgesucht.

Testsieger. Das Reinigungsergebnis geht mit 40 Prozent in die Gesamtnote ein. In dieser Disziplin lag der Dyson 360 Eye klar vorn. Er saugte 185 Gramm Schmutz wieder auf. Der Rest blieb vor allem in den Ecken liegen. Hier leisteten Samsung und Vorwerk zwar eine bessere Arbeit, ließen insgesamt aber jeweils fast die Hälfte des verteilten Schmutzes liegen.

Für den Dyson reichte es zusammen mit den Noten für Ausstattung und Handhabung, wenn auch knapp, doch zum Gesamtsieg.

Navigation. Galt früher noch das Chaosprinzip, gehen die neuen Saugroboter heute mit Ausnahme von Dirt Devil viel systematischer vor. Bei Dyson, iRobot und Samsung kartografieren integrierte Kameras den Raum, und die Roboter arbeiten die Fläche dann Bahn für Bahn ab, ohne dass irgendeine Stelle übrig bleibt. Beim Vorwerk übernehmen Laser und optische Sensoren die Navigation. Auch er schiebt seine Bahnen systematisch durch den Raum, ohne ungeputzte Stellen zu hinterlassen.
Sicherheit Für die Orientierung im engeren Sinne sind die Saugroboter vollgepackt mit Ultraschall-, Infrarot- oder Lasersensoren. Die sollen verhindern, dass es zu einer Kollision mit der Bodenvase oder Treppenstürzen kommt, indem sie den Saug­roboter rechtzeitig bremsen und die Richtung ändern. Auch Stuhl- und Tischbeine wollen – ohne anzuecken – umschifft sein.

In dieser Kategorie, die ebenfalls mit 40 Prozent in die Gesamtnote einging, musste Testsieger Dyson 360 Eye Punktabzüge hinnehmen. Die Bodenvase blieb zwar heil, an anderer Stelle stieß er aber so oft an einen frei stehenden Kühlschrank, dass die Tester glauben mussten, er sei auf Streit aus. Auch wollte der Dyson anfangs nicht ein­sehen, dass er mit seinen zwölf Zentimetern Höhe nicht unter dem Sofa durchpasst. Die Treppe hat er zum Glück erkannt.

Unsichtbare Barriere

Samsung und iRobot gehen auf Nummer sicher und liefern im Paket sogenannte Virtual Guards mit. Die batteriebetriebenen Signalgeber schaffen mithilfe von unsichtbaren Laser- oder Infrarotstrahlen virtuelle Schranken oder Schutzräume. Das soll sicher verhindern, dass der Saugroboter ausbüxt oder den Fressnapf des Haustiers vor sich herschiebt. Dem Vorwerk liegen dafür magnetische Begrenzungsstreifen bei, die leider nicht unsichtbar sind.

Handling. Die Handhabung geht mit zehn Prozent in die Gesamtnote ein. Hier haben wir, weil es bei der Bedienung keine Probleme gab, vor allem die Reinigung der Geräte bewertet. Die Schmutzbehälter sind im Durchschnitt etwas größer geworden und müssen nicht mehr so oft entleert werden. Der Dirt Devil hat mit einem Volumen von 270 Millilitern den kleinsten, der iRobot mit 600 Millilitern den größten. Das Entleeren der beutellosen Schmutzbehälter klappt bei allen Kandidaten recht unkompliziert. Praktisch für Allergiker: Der Vorwerk hat eine Öffnung, in die das Ansaugrohr eines herkömmlichen Staubsaugers passt. So kann der Saugroboter entleert werden, ohne dass Staub austritt.

Vier der fünf Saugroboter haben vor ihrer Saug­öffnung eine Walze mit Bürste oder Lamellen, die den Schmutz in die Öffnung schaufeln. Hier können sich zum Beispiel lange Haare verfangen. Samsung besitzt eine selbstreinigende Bürste, die die Haare vor dem Aufsaugen zerkleinert.

Alle Saugroboter haben einen Abluftfilter, der regelmäßig ausgewaschen oder getauscht werden muss. Das klappt problemlos. Testsieger Dyson 360 Eye verspricht übrigens, dass seine Abluft sauberer ist als die Umgebungsluft vorher. Das konnten wir bei unserem Test leider nicht überprüfen.

Fazit: Es bleibt dabei, keiner der Saugroboter kann seinen Besitzer vollständig vom Staubsaugen befreien. Zwar ist das Gröbste erledigt, wenn es an die lästige Bodenreinigung geht, doch als Ergänzung zum Bodenstaubsauger sind die Saugroboter noch viel zu teuer.

Lexikon – Putzen nicht ohne Filter

Abluftfilter: Die letzte Stufe im Filtersystem ist der Abluftfilter. Er soll Mikropartikel, Feinstaub und Allergene aus der Abluft entfernen. Abluftfilter lassen sich auswaschen oder müssen regelmäßig ausgetauscht werden. Ohne ihn kommt keiner der Saugroboter aus.

HEPA-Filter: High Efficiency Particulate Air filter heißt auf gut Deutsch Hochleistungsschwebstofffilter. Die im Staubsauger verbauten HEPA-Filter sind anders als im medizinischen Bereich nicht zwingend genormt. Im Test kommen HEPA-Filter bei iRobot und Vorwerk zum Einsatz.

Zyklontechnik: Durch Fliehkraft werden Staub, Mikropartikel, Pollen und Allergene aus der eingesaugten Luft heraus­geschleudert und in der Staubbox gesammelt. Bei der Multi-Zyklon­technik erfolgt das in mehreren aufeinander­folgenden Stufen. Im Test kommt Zyklontechnik bei Dyson und Samsung zum Einsatz.

 

Erstellt am 30.08.17

Artikel von Gunnar.Doebberthin verfasst
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