Symptome erkennen und handeln

Richtig reagieren, wenn jemand in Not ist

Was tun, wenn neben uns ein Mensch kollabiert? Meist fühlen wir uns hilflos. Dabei können wir in den meisten Notfällen mit einfachen Maßnahmen etwas tun. 

Unterzuckert

Symptome Heißhunger, Zittern, kalter Schweiß, blass, Schwindel, schläfrig oder bewusstlos? Das sind Anzeichen für eine schwere Unterzuckerung. Ein Ausnahmezustand, der in erster Linie Menschen mit gestörtem Zuckerstoffwechsel ereilt. Was, wenn der Patient sagt, er sei kein Diabetiker? Dann gehört er vielleicht zu den drei Millionen noch unentdeckten Diabetikern hierzulande.  

Was tun Ist der Patient ansprechbar, Glukose in Form stark zuckerhaltiger Getränke (Cola, Apfelsaft) zuführen. Traubenzucker-Tabletten gehen auch. Mit erhöhtem Oberkörper lagern. Bei Bewusstlosigkeit den Menschen in der Seitenlage stabilisieren und den Notarzt rufen.  

Vorsicht Falle Auch wenn jemand nach Alkohol riecht, sollte man dessen Benommenheit nicht vorschnell auf Trunkenheit schieben. Alkohol führt gerade bei Diabetikern zu schweren Unterzuckerungen. Ob die Unterzuckerung Grund für die Benommenheit ist oder zu viel gepichelt wurde, kann nur der Notarzt entscheiden.

Erstickungsanfall

Symptome Bei Erwachsenen wie bei Kindern passiert es meist beim Essen. Der Betreffende beginnt plötzlich zu husten, zu würgen, läuft »blau« an, ringt um Luft.

Was tun Der Reflex, ihm auf den Rücken, zwischen die Schulterblätter, zu klopfen, ist zwar nicht verkehrt (wenngleich Fachleute das nur empfehlen, wenn derjenige keine Luft mehr bekommt). Viel wichtiger ist es, den Kopf tief zu lagern. Säuglinge legt man sich am besten so aufs Bein, dass Bauch und Kopf tief liegen, klopft ihnen nur behutsam auf den Rücken. Ältere Kinder kann man sich so auf den Schoß legen, dass Kopf, Arme und Oberkörper runterhängen. Jugendliche und Erwachsene kann man nicht so einfach »umdrehen« – hier muss man versuchen, sie dazu zu bringen, sich über eine Lehne zu beugen. Die Alternative wäre der Heimlich-Handgriff. Dabei tritt der Retter hinter die Person, positioniert die Hände – zur Faust geballt – in deren Magengrube, ruckt ein oder mehrmals nach innen oben. Durch die damit im Brustraum erzeugte Druckerhöhung wird der Fremdkörper – hoffentlich – herausgestoßen. 

Vorsicht Falle Nichts zu trinken geben! Mund-zu-Mund-Beatmung nur bei stärkster Luftnot bzw. Atemstillstand. 

Krampfanfall

Symptome Meist wird man der Situation erst gewahr, wenn die Person schon auf dem Boden liegt und zuckt. Dabei hat so ein Krampfanfall normalerweise vier Phasen. Vorspann mit Kopfschmerzen, Müdigkeit, gesteigerte optische/akustische Reizbarkeit. Das Krampfen beginnt meist mit einem Initialschrei, die Person geht zu Boden, wird bewusstlos, der Atem stockt – sie läuft »blau« an. Dann die Zuckungen (ein, zwei Minuten), nach ein paar Minuten kommt sie wieder zu sich.

Was tun Falls keine Begleitperson Entwarnung geben kann – Notarzt rufen. Es muss kein epileptischer Anfall sein. Starke Reize wie Lichtblitze abschalten. Kopf und Extremitäten vor Verletzungen schützen – z.B. Mantel unterlegen. Ansonsten ist man zum Nichtstun verdammt.

Vorsicht Falle Vergessen Sie den Beißkeil. Es ist unmöglich, während des Krampfanfalls, ohne rohe Gewalt, einen Beißkeil einsetzen zu wollen.  

Pseudokruppanfall

Symptome Es gibt eine Art klassisches Szenario: Es ist Frühjahr oder Herbst, das Kind hat seit ein, zwei Tagen einen Atemwegsinfekt, erhöhte Temperatur, Schluck-probleme. Die Situation eskaliert dann in den Abendstunden: Das Kind wird wach, hat einen trockenen, bellenden Husten. Es ist ängstlich, bekommt schlecht Luft.   

Was tun Das wache Kind auf den Schoß nehmen, um es zu beruhigen. Da kühl-feuchte Luft die entzündlich geschwollenen Schleimhäute in der Kehlkopfregion abschwellen lässt – sich mit dem Kind (eingemummelt!) vor das
geöffnete Fenster bzw. den geöffneten Kühlschrank setzen. Bei Atemnot den Notarzt rufen.

Vorsicht Falle Daran denken, dass die Atemnot auch von einem verschluckten Fremdkörper herrühren kann.

Allergie-Reaktion

Symptome In leichteren Fällen beschränkt sich das Geschehen in erster Linie auf die Haut – mit Flush (Rotfärbung im Gesicht, Oberkörper), Quaddeln, Juckreiz. Kommen Blutdruckabfall dazu, Herzstolpern und Atemnot, wird es ernst.  

Was tun Sofern das möglich ist, die Allergenzufuhr unterbrechen – z.B. den Bienenstachel entfernen. Um die größte Gefahr, das Zuschwellen der Atemwege, zu bannen: Eis lutschen lassen oder kühl-feuchte Tücher auf den Hals legen. Warm zudecken – durch die jetzt weitgestellten Blutgefäße verliert der Körper massiv Wärme, worauf das Kältezittern einsetzt, was wiederum den Sauerstoffverbrauch und die Schocksymptomatik verschärft.  

Vorsicht Falle Nicht lange fackeln – schon bei den ersten Anzeichen für einen allergischen Schock Notarzt rufen. 

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Artikel von Martin.Braun verfasst
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