Volksleiden Allergie

Die zehn wichtigsten Fragen zu Allergien

30 Millionen Deutsche haben mittlerweile mindestens eine Allergie. Manche Störungen sind richtig ärgerlich, aber mit den meisten lässt sich gut leben.

Volksleiden Allergie
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30 Millionen Deutsche haben mittlerweile mindestens eine Allergie. Manche Störungen sind richtig ärgerlich, aber mit den meisten lässt sich gut leben. Wie Sie mit Heuschnupfen, Nahrungsmittelallergien und Co. am besten umgehen und warum wir eigentlich Allergien bekommen.

1. Warum werden wir immer allergischer?

Unsere saubere Welt ist wahrscheinlich ein entscheidender Faktor. »Dem Immunsystem fehlt bei seiner Reifung der Kontakt zu immunaktivierenden Substanzen aus der Natur, beispielsweise Bakterien, die im Stallmist vorkommen«, sagt Prof. Ludger Klimek, Zentrum für Rhinologie und Allergologie Wiesbaden. Hinzukommt, dass wegen des Klimawandels »die Pollenbelastung zunimmt, außerdem die Umweltverschmutzung zu aggressiveren Allergenen führt«, ergänzt Prof. Torsten Zuberbier, Allergie-Centrum-Charité.

2. Stimmt es, dass Kinder, die im Stallmist spielen, weniger Allergien bekommen?

Dafür gibt es klare Belege. So fand die 2002 veröffentlichte ALEX-Studie, dass Kinder, die unter bäuerlichen Verhältnissen aufwachsen, seltener Heuschnupfen, Asthma bronchiale und atopische Sensibilisierung haben. Die schützenden Effekte von Stall und Rohmilch werden mit dem Kontakt zu bestimmten Bakterien erklärt.

3. Wie werden Allergien behandelt?

Im Grunde sind es vier Strategien: Allergen meiden, allergische Entzündungen unterdrücken, Immunsystem ans Allergen gewöhnen (Hyposensibilisierung), Immunsystem umstimmen (die regulative Naturmedizin will die allergische Grundeinstellung ändern).

4. Warum werden Antiallergika nur im Kindesalter bezahlt?

Antiallergika sind in der Mehrzahl nicht verschreibungspflichtig, müssen selbst bezahlt werden. Nur bei Kindern bis zwölf Jahren springt die Kasse ein. Diese Regelung spart der gesetzlichen Versicherung einen Batzen Geld. 2011 wurden in den Apotheken für fast 100 Mio Euro Antiallergika gekauft.

5. Kann Homöopathie helfen?

Die Liste der Mittel ist lang: Allium cepa, Euphrasia, Ghalphimia glauca… Dass man Allergien auch homöopathisch behandeln kann, steht für Dr. Karl-Heinz Friese, aus Weil der Stadt fest. Auch wenn er sich dabei kaum auf Studien, sondern »nur« auf Erfahrungen stützen kann. Behandelt wird während als auch vor der Saison. »Frühblüher-Allergien als Beispiel lassen sich mit Ameisensäure-Injektionen prima dämpfen«, so Friese. Erwähnt sei, dass die von Uneingeweihten generell als wirkstofflos betrachteten Homöopathika in Niedrig-Potenzen sehr wohl Ausgangssubstanz enthalten, weshalb – wie bei anderen Medikamenten – auch hier Allergien zu bedenken sind. So kann Notakehl D4 (u. a. bei Schmerzen der Halswirbelsäule) bei Penicillinallergikern zu Reaktionen führen, obwohl das Penicillium chrysogenum 10 000-fach verdünnt ist.

6. Kann die Hyposensibilisierung Allergien heilen?

Nicht immer, aber meist führt eine Hyposensibilisierung zum Erfolg. Bei  Bienengiftallegikern liegt die Erfolgsquote um 90 Prozent, bei Pollenallergikern bei 80, Hausstaubmilben-, Schimmel-, Tierhaar-Allergikern hilft sie in zwei Drittel der Fälle.

7. Können Allergien »nachwachsen«?

Dass sich nach einer Sensibilisierung öfters eine andere Allergie einstellt, wird verschieden gedeutet. »Eine Allergie kommt selten allein«, sagen die einen. Klimek verweist auf Studien, in der Pollenallergiker jahrelang beobachtet wurden. »Von den Hyposensibilisierten entwickelte im Weiteren jeder Dritte eine andere Allergie, bei denen ohne Hypo waren es 75 Prozent.« Hypo als Schutz vor weiteren Allergien? Das sieht der auf Naturheilverfahren spezialisierte Dr. Erwin Häringer, München anders. »Eine Hyposensibilisierung erzeugt eine Gewöhnung an bestimmte Allergene, sie ändert aber nichts daran, dass das Immunsystem die Umwelt fehlinterpretiert.« Naturmedizin kann hier – z. B. mit Astragalus membranaceus – regulierend eingreifen.

8. Kann man auch als älterer Mensch noch Heuschnupfen bekommen?

Früher hieß es: Wenn man Allergien bekommt, dann in der Kindheit. Heute weiß man: Selbst mit 70 kann man noch an Heuschnupfen erkranken. »Und es ist keinesfalls so, dass Allergien im Alter generell milder verlaufen«, so Klimek.

9. Wieso sind Allergien gefährlich?

Bienengift-, Nahrungsmittel- und Arzneistoffallergien sind besonders gefährlich, weil sie zum anaphylaktischen Schock führen können. Das heißt aber nicht, dass Dinge wie Heuschnupfen harmlos sind. Unbehandelt kann er die Bronchien »anstecken«. »Bei zwei Drittel der Patienten mit Heuschnupfen weitet sich die allergische Reaktion auf die anderen Atemwegsschleimhäute aus«, bestätigt Klimek – wenn nicht behandelt wird.

10. Was mache ich als starker Allergiker im Urlaub?

Die Idee vom allergikerfreundlichen Urlaub, die mit speziellen Speisekarten und dem Ostseebad Baabe als erste »allergikerfreundliche Gemeinde« begonnen hat, wird zunehmend populärer. Derzeit streben gleich 13 Schwarzwald-Gemeinden die Zertifizierung der Stiftung für Allergieforschung (www.ecarf.org) an. Und immer mehr Menschen schätzen die Sicherheit, nachts nicht vom Asthmaanfall überrascht zu werden, weil vorher eine Katze im Hotelzimmer untergebracht war.

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