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So machen Sie Ihr Internet serienreif

Das neue Fernsehen kommt aus dem Netz. Das macht aber nur Spaß mit schnellem Internet

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Von Bernd Adam

E rinnern Sie sich an die Bundeskanzlerin, wie sie auf einer Messeeröffnung die Internetlage in Deutschland als »Neuland« beschrieb? Damals haben wir gelacht, zumindest diejenigen von uns, die zu Hause einen brauchbaren DSL-Anschluss hatten.

Inzwischen aber kommen manch einem die Tränen: etwa wenn die tägliche TV-Serien-Folge aus dem Internet auf dem Computerbildschirm nicht so richtig laufen will. Oder wenn mal eben 100 Fotos von der Familienparty vom Handy ins Internet zu laden sind.

Spätestens wenn mehrere Halbwüchsige auf diese Weise und unabhängig voneinander das Internet durchkneten, kommt ein herkömmlicher Anschluss an seine Grenzen. Dann zeigt sich, dass mit Geschwindigkeiten unter 100 MBit/s oft kein Staat zu machen ist.

Der von der Bundesregierung geführte Deutschland-Breitbandatlas (www.breitbandatlas.de) nennt nicht mal die richtig schnellen Anschlüsse. Er endet bei »mindestens 50 MBit/s«). Aber selbst diese im Weltmaßstab inzwischen eher mittelmäßige Geschwindigkeit steht in vielen Gegenden einfach nicht zur Verfügung, siehe Übersicht unten.

Drei Technologien zur Auswahl

Zumindest bei den Festanschlüssen sind die östlichen Bundesländer stark benachteiligt. Schnelles Internet in Form von LTE gibt es zwar fast lückenlos von der Telekom oder von Vodafone. Aber die Anbieter haben diese Netze nicht für den Dauerbetrieb zu Hause vorgesehen, sondern eher fürs Handy.

KabelInternet Die besten Karten für schnelles Internet haben Sie, wenn Ihre Straße im Versorgungsgebiet von Vodafone oder Unitymedia liegt: Der sogenannte Breitbandanschluss, also Kabel-TV, bietet in jedem Fall deutlich über 100 MBit/s mit Luft nach oben für mehrere Jahre. Sie können das auch ohne Fernsehen, als reinen Internetanschluss, mieten.

DSL und Glasfaser Zweites mögliches Verfahren ist der Nachfolger unseres bekannten DSL-Anschlusses. In der Fachwelt tobt ein Streit, ob die dünnen Kupferdrähtchen noch eine weitere Beschleunigung verkraften oder ob man sie besser gleich durch Glasfaser ersetzt. Tut man Letzteres nicht, ist bei 100 MBit/s Schluss. Inzwischen spricht allerdings die Telekom davon, irgendwann sogar einmal 250 MBit/s herauszuholen. Konsequent mit Glasfaser ausgerüstet werden zur Zeit überwiegend kleinere Orte, in denen ein Anbieter dann das Monopol hat.

LTE Am praktischsten wäre eigentlich eine drahtlose Mobilfunklösung mit einem Router mit SIM-Karte und einem LTE-Tarif. Leider gewähren die Anbieter keine Flatrate. Schlecht, wenn Sie TV-Serien in hoher Auflösung gucken. Dann kommt ein bloßes Datenpaket leicht an seine Grenzen. Eine Hilfslösung ist der sogenannte Hybridanschluss der Telekom, den diese allerdings nur auf drängende Nachfragen in manchen Fällen auch für 100 MBit/s freischaltet.

Alle Möglichkeiten prüfen

Wenn Sie Ihrem lahmen Internetanschluss auf die Sprünge helfen wollen, prüfen Sie alle Möglichkeiten. Machen Sie online die Verfügbarkeitsabfrage für die von uns in den Tabellen genannten Anbieter. Als Stadtbewohner haben Sie oft mehrere zur Auswahl.

Schnelligkeit und Angebote variieren dabei häufig von Haus zu Haus. Ob die Offerte aus der Internetabfrage tatsächlich verfügbar ist, erfragen Sie am besten beim telefonischen Kundendienst. Doch Vorsicht: Manche Telefonberater werden nach abgeschlossenen Verträgen bezahlt und wollen sofort all Ihre Kontaktdaten haben. Dafür sollten Sie beim Gespräch gewappnet sein.

Preise Schauen Sie in unserem Zahlenwerk unten zunächst in die Zeile »Grundgebühr«: Dann fällt Ihnen auf, dass die Preise ziemlich nah beieinander liegen, unabhängig von Verfahren oder Anbieter. Außerdem will in dem für Privatkunden interessanten Bereich von 100 MBit/s bis 200 MBit/s keine Firma die Schmerzgrenze von 50 Euro monatlich überschreiten.

Mehr Geschwindigkeit ist derzeit auch nicht zu empfehlen, denn die selten verfügbaren superschnellen Anschlüsse werden dann gleich übermäßig teuer. Eine 500-MBit-Leitung von Deutsche Glasfaser etwa kostet 80 Euro im Monat, eine Gigabit-Leitung (1000 MBit/s) 160 Euro.

SparMöglichkeiten Die meisten Anbieter geben als Lockmittel in den ersten 12 oder 24 Monaten ordentliche Rabatte. Bei Vodafone etwa kommen Sie anfänglich immer auf 19,99 Euro Grundgebühr, weshalb es sich sogar lohnt, probehalber erst mal einen schnelleren Anschluss zu ordern, als Sie zuerst angepeilt hatten.

Eine schöne Zusatzprämie sichern Sie sich, wenn Sie über einen Cashbackanbieter bestellen. Bei Shoop.de zum Beispiel können Sie damit noch mal um die 100 Euro herausholen.

Teilweise nicht eingerechnet haben wir die Zusatzkosten für den Router. Denn Sie müssen im Einzelfall entscheiden, ob es sich lohnt, ihn für fünf oder zehn Euro im Monat zu mieten oder sich selbst einen zu kaufen. Während unserer erwähnten Telefonverhandlungen wurden uns dafür zum Teil auch Sonderangebote gemacht.

Sparen durch Anbieterwechsel

Solange Ihr Internet über den Telefondraht kommt, ist in vielen Fällen beim Umstieg ein Anbieterwechsel möglich. Beispiel: Sie haben jetzt 25 MBit/s, stellen jedoch fest, dass 100 MBit verfügbar wären. Wenn Sie jetzt beim Anbieter A verlängern, wird dieser Ihnen weniger Rabatt zahlen als der neue Anbieter B, der sich freut, Sie der Konkurrenz abzujagen. Dies geht beim Kabelanschluss nicht, weil die deutschen Bundesländer hier auf Monopolisten aufgeteilt sind.

Fazit So ein Turboanschluss ist mit 35 bis knapp 50 Euro kaum teurer als Internet der letzten Generation . Mancher von Ihnen zahlt wahrscheinlich für Uraltverträge mehr. Wir empfehlen also, nicht zu zögern. Erfahrungsgemäß kommt der Bedarf an Geschwindigkeit schneller als erwartet. Ist noch kein wirklich schneller Festanschluss an Ihrer Anschrift verfügbar, sind die LTE-Lösungen von Congstar und Vodafone erst mal eine gute Hilfslösung. Damit schalten Sie aufs andere WLAN-Netz um, wenn Sie mal mehr Tempo brauchen, und danach wieder zurück.

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