Besser sehen

Die besten OPs für scharfe Sicht

Mehr als 140.000 Menschen lassen sich pro Jahr lasern. Ein harmloser Lifestyle-Eingriff ist das Augen-Tuning nicht. Wir zeigen, worauf man vor der OP achten sollte

Das Gesicht des Patienten ist mit einem hellblauen Tuch abgedeckt. Nur das linke Auge ist frei. Laszlo Kiraly, Augenchirurg aus Leipzig, träufelt betäubende Tropfen ins Auge. Ein sogenannter Lidsperrer hält die Lider zurück und das Auge offen. Seit seinem achten Lebensjahr trägt der Patient auf der Liege eine Brille, heute soll damit Schluss sein.

Riesige Nachfrage

Lasereingriffe boomen unverändert. Das Onlineportal Statista rechnet für 2017 mit 143 000 Laser-OPs, die Menschen dauerhaft von ihrer Fehlsichtigkeit befreien sollen. Der potenzielle Markt ist riesig: Über 60 Prozent der Erwachsenen sind fehlsichtig. Es gibt zahlreiche Gründe für die Laserlust der Deutschen: kein Gefummel mehr mit Kontaktlinsen, keine beschlagene Brille, wenn man aus der Kälte kommt, sofortige Klarsicht nach dem Aufwachen. Eines jedoch sollte man bedenken: Bei den Eingriffen geht es um nicht weniger als um das Augenlicht. Der Chirurg sollte also sorgfältig gewählt sein. Studien zeigen: Je erfahrener und routinierter ein Arzt die Lasermethoden beherrscht, umso seltener treten Komplikationen auf. Die Suche nach einem guten Arzt wird dem Patienten nicht leicht gemacht. Eine spezielle Facharzt­ausbildung oder verlässliche Qualitäts­zertifikate gibt es nicht.

Schnell vorbei. Im Eingriffsraum des Augen- und Laserzentrums »Smile Eyes« in Leipzig brummt der Relex-Smile-Laser leise vor sich hin. Chirurg Kiraly fordert den Patienten auf, ein grünes Licht zu fixieren. Langsam fährt die Liege nach oben. Dann setzt das Kontaktglas des Lasers auf dem Auge auf. Das Raumlicht geht aus, der Laser taucht den Kopf des Patienten in lilafarbenes Licht. Kein zusätzliches Geräusch verrät, dass der Laser jetzt die Hornhaut bearbeitet. 29 Sekunden später ist alles vorbei. Noch sieht der Patient alles milchig und verschwommen. Doch Kiraly beruhigt ihn. »Morgen früh haben Sie wieder klare Sicht.«

Zufrieden trotz Nebenwirkungen

Seit rund 25 Jahren lasern Augenärzte in Deutschland Patienten gegen Weit- und Kurzsichtigkeit oder bearbeiten Hornhautkrümmungen. Beliebteste Methode ist das Femto-LASIK-Verfahren. Die OP erfolgt in mehreren Schritten (s. Galerie).

Mit Risiken. Frei von möglichen Risiken und Nebenwirkungen sind die Eingriffe nicht. In zwei von der strengen US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA initiierten Studien (PROWL) klagten nach einem Lasereingriff vier von zehn Patienten über mindestens ein Symptom wie trockene Augen, Doppelbilder oder schlechte Nachtsicht. Gemessen wurde nach einem und drei Monaten, in einer Studie auch nach sechs Monaten. Langzeitnebenwirkungen sind dagegen selten. »Sie treten vor allem dann auf, wenn der Patient schon vor dem Eingriff Beschwerden hatte«, erklärt Jörg Hassel, Sekretär des Verbands der Spezialkliniken Deutschlands für Augenlaser und Refraktive Chirurgie (VSDAR).

Warum das so ist? Beispiel trockenes Auge: Das Auge ist das am besten mit Nervenfasern versorgte Organ des menschlichen Organismus. Der Laser zerstört die Nervenfasern. Der Impuls zu blinzeln tritt seltener auf, das Auge wird folglich weniger befeuchtet. Um das auszugleichen, benetzen betroffene Patienten drei- bis fünfmal täglich die Augen mit künstlicher Tränenflüssigkeit. Nach drei, spätestens sechs Monaten sind trockene Augen kein Thema mehr. Die Nerven­fasern haben sich vollständig erneuert. »Andernfalls bestand das Problem mit trockenen Augen bereits vor der OP«, so Hassel.

Zufriedene Patienten. Insgesamt ist die Erfolgsrate der Lasereingriffe hoch. Bei der PROWL-Studie und anderen internationalen Untersuchungen waren 96 bis 99 Prozent der Probanden zufrieden mit ihrer Sehleistung. Bei ihnen wich das Ergebnis maximal plus oder minus eine Dioptrie vom zuvor errechneten Wert ab.

Klare Voraussetzungen

»Wir wissen heute genau, welche Patienten sich für einen Laser eignen – und folglich meist keine Komplikationen bekommen«, sagt Hassel. Für einen Lasereingriff muss der Patient mindestens 18 Jahre alt und seine Sehschärfe seit zwei Jahren stabil sein. Vor allem aber muss seine Hornhaut ausreichend dick sein, nämlich 500 bis 550 Mikrometer. Ansonsten könnte sie durch das Abtragen instabil werden. Auch bei starken Sehfehlern wird vom Eingriff abgeraten. Die Kommission Refraktive Chirurgie (KRC) der Deutschen Gesellschaft für Ophthalmologie (DOG) empfiehlt Laserbehandlungen bei einer Hornhautverkrümmung nur zwischen +3 und –8 Dioptrien, bei Menschen ohne Hornhautverkrümmung mit einem Wert von bis zu 5 Dioptrien.

Linsen statt Laser

Sehschwache mit einer Hornhaut, die dünner ist als 500 Mikrometer oder die einen starken Sehfehler haben, können statt der Laserkorrektur implantierbare Kontakt­linsen wählen. Der Chirurg setzt sie über einen kleinen Schnitt am Hornhautrand zusätzlich zur körpereigenen Linse ein. Selbst Menschen ab 45, die langsam weitsichtig werden, müssen nicht auf klares Sehen verzichten. Bei ihnen entfernt der Arzt die körpereigene Linse und setzt eine zusätzliche Linse mit mehreren Brennpunkten ein. Die modernste Variante, die sogenannte Trifokallinse, ermöglicht das Sehen in der Nähe, in der mittleren Distanz und in der Ferne.

Den Richtigen finden

Und wie erkennt man einen seriösen Arzt? Die Unsicherheit der Patienten bei der Suche würde Verbandssekretär Jörg Hassel gern beenden. »Wir arbeiten zusammen mit dem Berufsverband Deutscher Ophthalmochirurgen (BDOC) und der KRC an einem neuen Gütesiegel für Laserchirurgie.« Ab 2018, so Hassels Hoffnung, könnte es laserwilligen Patienten bei der Suche nach einem verlässlichen Augenchirurgen Orientierung geben.

Gesamtpaket
Bestehen Sie auf ein ausführliches Pa­tientengespräch, bei dem Sie seriös beraten und über alle Vor- und Nachteile eines Lasereingriffs aufgeklärt werden.

Fakten schaffen
Mit der Anzahl der Eingriffe sinkt die Komplikationsrate. Fragen Sie, wie viele LASER-OPs Ihr Augenchirurg jährlich vornimmt. Es sollten mindestens 200 sein.

Augenzentrum
Wählen Sie eine Klinik, die nicht nur LASIK oder PRK, sondern das ganze Spektrum der opera­tiven Sehfehlerkorrektur anbietet. Nur so haben Sie die Chance, das für Sie passende Verfahren zu bekommen.

Wochenende und nachts
Bringen Sie in Erfahrung, ob Ihr Operateur bei Komplika­tionen und Nachuntersuchungen vor Ort ist. Bei einigen Laserketten reist der Arzt nur für den OP-Tag in die lokale Augenklinik.

Nachuntersuchungen
Wie viele sind geplant? Die Regel lautet: nach einem Tag, nach einer Woche, nach einem Monat. Weitere Checks sollten mindestens einmal jährlich erfolgen.

Ausland meiden
Hier wird oft an Hygiene und Personal gespart. Die Aufklärung über die OP und ihre Risiken ist schwierig, da die Vorgespräche oft nur auf Englisch
erfolgen. Nachuntersuchungen entfallen. Bei eventuell auftretenden Komplikationen hat man das Land meist schon wieder verlassen.

Laser oder Linse: Welche Methode zu wem passt

ReLEx Smile
 

Was wird gemacht? Ein Femtosekundenlaser, der mit ultrakurzen und gut dosierbaren Lichtimpulsen arbeitet, präpariert ein linsengroßes Gewebescheibchen (Lentikel) im Inneren der Hornhaut. Dann schneidet der Laser eine winzige Öffnung von 2 bis 4 Millimetern in die Hornhaut. Das Scheibchen darüber wird entfernt. Aktuell wird die Methode nur für kurzsichtige Patienten angeboten. Erste Ergebnisse einer Studie mit etwa 30 weitsichtigen Augen zeigen, dass das Verfahren mindestens so effektiv ist wie LASIK.
Für wen geeignet? Bis –8 Dioptrien. Bei Astigmatismus bis 5 Dioptrien.
Kosten: Je Auge ca. 2 500 €.
Vorteile: Seltener trockene Augen, weil der Minischnitt weniger Nervenfasern durchtrennt. Kein Deckelchen (Flap) nötig. Geringe Infektionsgefahr.
Nachteile: Falls Nachkorrektur erforderlich, muss der Arzt dafür eine andere Methode wählen wie beispielsweise LASIK.

LASIK/Femto-LASIK
 

Was wird gemacht? Beim LASIK-Verfahren wird die Hornhaut des Auges mit einer Klinge abgetragen und neu modelliert. Femto-LASIK: Die Hornhaut wird mithilfe des computergesteuerten Femtosekundenlasers modelliert.
Für wen geeignet? +3 Dioptrien bis –8 Dioptrien, Astigmatismus bis 5 Dioptrien.
Kosten: Je Auge 1 000–1 200 € (LASIK), je Auge 1 200–2 000 € (Femto-LASIK)
Vorteile: LASIK Keine schmerzhafte Wunde wie bei PRK, LASEK und Epi-LASIK.
Femto-LASIK Hohe Präzision beim Erzeugen des »Deckels«, der wie ein Pflaster die Wunde abdeckt. Deshalb auch bei Patienten mit starker Kurzsichtigkeit und dünner Hornhaut geeignet.
Nachteile: LASIK Trockene Augen und Fremdkörpergefühl. Blendeffekte und Halos. Fältelungen des Deckels. Lösung der oberen Hornhautschicht. Schnittfehler. Femto mitunter ungeeignet bei zu enger oder zu großer Pupille und bei sehr trockenen Augen.

PRK, Lasek, Epi-LASIK
 

Was wird gemacht? Die PRK ist das älteste Laserverfahren, die anderen beiden sind Weiterentwicklungen. Ähnliches Prinzip bei allen: Die obere Hornhautschicht wird per Laser oder me­chanisch (Hobel etc.) abgetragen. Der Arzt schleift die darunterliegende Hornhaut mit dem Laser ab. Zum Schluss bekommt der Patient Kontaktlinsen. Darunter bildet sich die obere Hornhautschicht innerhalb weniger Tage neu. Die prophylaktische Gabe des Zellgifts Mitomicin, um Narben zu verhindern, ist umstritten.
Für wen geeignet? +2 bis –6 Diop­trien. Astigmatismus bis 3 Dioptrien.
Kosten: Je Auge 800–1 000 €.
Vorteile: Kommt ohne Hornhautschnitt aus.
Nachteile: Heilungsverlauf mit Schmerzen verbunden. Infektionen, Fremdkörpergefühl, trockene Augen, Blendeffekte. Längere Heilungsphase (bis ein Jahr), Narbenbildung. Bei PRK Wochen bis Monate Kortisontropfen für Wundheilung.

Implantierbare Kontaktlinse

Was wird gemacht? Der Augenarzt implantiert eine Linse zusätzlich zur körpereigenen Linse permanent ins Auge. Methode der Wahl für Menschen, die nicht fürs Lasern infrage kommen oder sich nicht lasern lassen möchten.
Für wen geeignet? +8 bis –18 Diop­trien, Astigmatismus bis 6 Dioptrien.
Kosten: Je Auge 2 000 – 3 500 € (der Eingriff ist komplizierter und dauert länger als Laser; strengere Hygienevorschriften, weil die OP im Auge stattfindet).
Vorteile: Hornhaut bleibt intakt. Linsen können entfernt/ausgetauscht werden. Korrigiert auch extreme Fehlsichtigkeiten.
Nachteile: Nebelsehen mit Kopfschmerzen und Übelkeit nach OP. Sehr selten anfalls­artig erhöhter Augeninnendruck – unbedingt früh behandeln lassen, um Dauerschäden zu verhindern! Schädigung der Hornhautrückfläche möglich. Verschiebung und/oder Lockerung der Linse. Nicht geeignet bei Altersweitsichtigkeit.
 

Multifokallinse

Was wird gemacht? Patienten ab 45, die erste Anzeichen für eine Altersweitsichtigkeit haben, können mit Kunstlinsen ohne Brille oder Kontaktlinsen auskommen. Der Arzt verwendet dafür Multifokallinsen, welche Fehlsichtigkeit und Altersweitsichtigkeit gleichzeitig ausgleichen – ähnlich wie eine Gleitsichtbrille. Die körpereigene Linse wird entfernt. Der Augenchirurg schneidet mit einem Spezialmesser oder Laser die Linsenhülle auf und entnimmt den Linsenkern. Danach setzt er die Kunstlinse in die verbliebene Hülle ein.
Für wen geeignet? Alterssichtigkeit mit und ohne Fehlsichtigkeiten von max. +4 bis -6 Dioptrien. Astigmatismus bis 8 Dioptrien.
Kosten: Je Auge 2 700–3 500 €.
Vorteile: Korrigiert auch extrem starke Fehlsichtigkeiten. Dauerhafte Behebung der Alterssichtigkeit.
Nachteile: Körpereigene Linse wird entfernt. Halos (Lichthöfe) und Blendeffekte.

 

Erstellt am 13.08.17

Text: Constanze Löffler

Artikel von Gast verfasst
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